Die fünf lateinamerikanischen Tänze

Samba – die Aufreizende

Bei Samba denkt sicher jeder an den Karneval in Rio. Die Samba ist zwar über Brasilien zu uns gekommen, ihre Wurzeln liegen aber ursprünglich in Afrika. Die “unfreiwilligen Einwanderer”, die afrikanischen Sklaven hatten sie aus ihrer Heimat dorthin gebracht.

In Wiegeschritten und Voltadrehungen, Rollen und Promenadenläufen bewegen sich die Paare wellenförmig und raumgreifend durch den Raum. Während die Wellenbewegungen früher nur aus einem Erheben im Bein kam (Bounce), wird sie heute auch durch die Bauchmuskulatur erzeugt. Charakteristisch für die Samba sind vor allem die Schritte im Zickzack-Muster (Botafogos) sowie die Samba-Rolle, die als eine der wenigen Lateinfiguren in engem Körperkontakt getanzt wird. Die Samba mit ihrer reichhaltigen rhythmischen Gestaltung des Zweivierteltakts ist ein Tanz, der Lebenslust ausdrückt und vermitteln will.

 

Cha-Cha-Cha – der Kokette

Der Cha-Cha-Cha stammt aus Kuba, wurde von Enrique Jorrin (u.a.) aus dem Mambo entwickelt und 1957 nach Deutschland “importiert”. Er hat viele Elemente aus anderen Tänzen in sich aufgenommen, besonders aus Jazz, Beat und Disco. Seinen Grundcharakter, der ihn bei allen Alterstufen zum beliebtesten Lateintanz macht, hat er dabei nicht verloren.

Im Cha-Cha-Cha kommen übermütige Ausgelassenheit und koketter Flirt zum Ausdruck. Beine, Arme, Hände und Finger: der ganze Körper ist in ständiger Bewegung. Insbesondere die flinken Beinaktionen sind typisch für diesen Tanz, ebenso wie die schnelle Triple-Bewegung auf dem vierten Viertel eines Taktes und dem ersten Viertel des folgenden Taktes (Chassé-Schritt). Cha-Cha-Cha ist ein amüsantes Spiel zwischen Zuwendung und Abwendung, Verschwinden und Wiederkommen, ein Tanz, fröhlich, keck, perlend wie Sekt und mit einem guten Schuss Augenzwinkern.

 

Rumba – die Verliebte

Die Rumba entstand aus dem Mambo-Bolero und ist mit der Habanera verwandt. Sie ist ein afro-kubanischer Werbungstanz. In Deutschland wurde die Rumba 1932 ins Turnierprogramm aufgenommen, ab 1934 wieder verdrängt und nach dem Krieg dann wieder entdeckt.

Rumba ist der Klassiker unter den Lateintänzen, erfordert große Ausdruckskraft und Sparsamkeit der Mittel. Im Turniertanz hat sich der Cuban-Style durchgesetzt, nicht der nach dem Zweiten Weltkrieg beliebte Square-Style. Nach den beiden schnellen Bewegungstänzen strahlt die Rumba eher Ruhe aus, wobei die durch Gewichtsverlagerung erzeugte rotierende Hüftbewegung (in Form einer liegenden Acht) die Grundstruktur des Tanzes ausmacht. Die relativ langsame Musik ermöglicht den Tänzern das volle Auskosten jeder Bewegung. Die Dame schwankt zwischen Hingabe und Flucht und der Herr zwischen “Zuneigung” und “Selbstherrlichkeit”. Dieses Rollenspiel sollte gekonnt und überzeugend rüberkommen – und dies setzt in aller Regel auch eine harmonische Paarbeziehung voraus.

 

Paso Doble – der Mutige

Der Paso Doble ist eine in Spanien und Frankreich entwickelte Darstellung des Stierkampfes mit Einschluss von Flamenco-Elementen. Die Musik, ein spanischer Marschtanz, besteht aus einer Einleitung und zwei Hauptteilen mit genau festgelegten Höhepunkten, nach denen sich die Choreographie richtet. Es gibt für diesen Tanz nur relativ wenige Musiktitel; oft wird das Stück “Espana Cani” gespielt – was wiederum die Choreographie ziemlich vereinfacht. Der Paso Doble ist der Lateintanz, bei dem am meisten Elemente aus den Standardtänzen eingebaut und verwendet werden.

Beim Paso Doble (Spanisch: Doppel-Schritt) stellt die Dame nicht den Stier dar, sondern das rote Tuch des Toreros, Herr und Dame bewegen sich also gemeinsam um einen imaginären Stier. Der Herr: hochmütig, stolz, kühn, entschlossen, die Dame: selbstbewusst, distanziert, wendig, heißblütig. Typisch sind kurze, schnelle Bewegungen und kontrolliert gehaltene Posen. Getanzt wird in geschlossener Tanzhaltung, bei der die Arme durch den Körperabstand einen Kreis bilden. Der Tanz erfordert große Präzision, eiserne Disziplin und einen durchgehaltenen starken Muskeltonus.

 

Jive – der Lebenslustige

Der Jive wurde als “Jitterbug” und “Boogie-Woogie” (später auch “Bebop”) um 1940 von amerikanischen Soldaten nach Europa gebracht, in England zum Jive entwickelt und schließlich in das Turnierprogramm der Lateintänze aufgenommen.

Mit ihrer Off-Beat-Betonung auf “zwei” und “vier” verrät die Musik ihren afrikanischen Ursprung. Der Jive bringt robuste Lebensfreude zum Ausdruck. Er war der “Tobetanz” der Vor-Beat-Generation, aus dem sich auch der akrobatisch-athletische Rock´n Roll entwickelt hat. Der Unterschied zu den vorigen Tänzen ist gravierend: während man beim Paso Doble stolz, hochaufgerichtet und mit durchgedrückten Knien tanzt, steht man nun mit vorgeneigtem Oberkörper und in den Knien wippend auf der Tanzfläche; im Gegensatz zur Rumba mit ihrem erotischen Grundcharakter herrscht hier pure Dynamik vor. Jive ist ein Rausch an Bewegung und Spiel der Glieder und des ganzen Körpers. Er ist ein Tanz, dessen Rhythmus und Kraft mitreißt und der sich überaus publikumswirksam präsentiert.